Ermittlungsprotokoll – V. Grant, Tag 2

Ich sprach heute mit Marco Schmidt am Glühweinstand. Ein eigenartiger Mann. In ihm steckt Stolz, vielleicht geschärft durch etwas Tieferes, etwas, das ihn ständig darauf achten lässt, wie andere ihn wahrnehmen.

Zunächst bot er wenig Brauchbares an und wiederholte lediglich Namen, die bereits auf meiner Liste stehen. Doch ohne große Aufforderung verlor er sich schließlich in langen Ausführungen über Gifte. Ein ungewöhnliches Interesse für jemanden in seiner Position.

Ich fragte ihn, ob er dieses Wissen auch mit anderen teile. Er behauptete, sich daran nicht erinnern zu können.

Ich glaube ihm nicht.

In seiner Art liegt etwas Auffälliges, eine gewisse Spannung direkt unter der Oberfläche, als würde er fortwährend abwägen, wie er auf andere wirkt. Man könnte es Stolz nennen, doch es scheint von etwas anderem geschärft zu werden … vielleicht Unsicherheit, vielleicht die Last, sich seinen Platz ständig beweisen zu müssen. Macht einen Menschen das vorsichtiger oder leichtsinniger? Das vermag ich noch nicht zu sagen.

Menschen vergessen selten die Themen, mit denen sie sich intensiv beschäftigen.

Es hinterlässt bei mir einen unangenehmen Gedanken. Sollte ich vorsichtiger sein mit dem, was ich trinke? Vielleicht sollte ich von nun an sogar meine eigene Flasche mitbringen. Eine kleine Vorsichtsmaßnahme, aber keine unvernünftige.

Vielleicht war ich bisher zu nachlässig. Ein Getränk hier, eine Tasse dort, ohne darüber nachzudenken angenommen. Miss Hoffmanns Werkstatt erscheint plötzlich wie ein sinnvoller nächster Halt. In einem Ort wie diesem wäre ein Mann wohl gut beraten, seine eigene Flasche bei sich zu tragen.