Ermittlungsprotokoll – V. Grant, Tag 16

Eine interessante Sache, die ich während dieser Ermittlungen gelernt habe: In Katalonien verstecken viele Krippenszenen eine kleine Figur namens „Caganer“ irgendwo im Hintergrund. Die Tradition zeigt einen Mann, der sich still hinter einem Baum oder einer Stallwand erleichtert, und seltsamerweise gilt dies als Symbol für Glück und Wohlstand im kommenden Jahr.

Vielleicht ein Beweis dafür, dass selbst die festlichsten Szenen etwas Merkwürdiges verbergen, wenn man nur genau genug hinsieht.

Heute bin ich direkt in die Falle des Täters geraten. Nachlässig. Vorhersehbar. Genau das, womit gerechnet wurde.

Wäre ich nicht groß genug gewesen, hätte ich es dort nicht mehr herausgeschafft.

Die Erkenntnis traf mich schnell. Sie wissen Bescheid. Sie wissen, dass ich den Weg durch die Kanalisation entdeckt habe, und sie geben sich nicht länger damit zufrieden, mich nur aus der Distanz zu beobachten.

Das war keine Warnung.

Es war ein Versuch.

Sogar die Polizei beginnt inzwischen, mich dazu zu drängen, mich aus dem Fall zurückzuziehen. Sorge, sagen sie. Doch ich höre etwas anderes darin. Zögern. Druck.

Aber so leicht lasse ich mich nicht erschüttern.

Es wird mehr brauchen als einen Schatten hinter mir und einen fehlgeschlagenen Versuch, um diese Ermittlungen zu beenden.

Wenn überhaupt, bestätigt es nur, dass ich näher dran bin als je zuvor.

Als Nächstes werde ich mit Jonas Becker sprechen. Ein Mann, der das Dorf aus einer anderen Perspektive betrachtet. Bewegungen, Muster, Menschen, die kommen und gehen.

Vielleicht hilft er mir dabei zu erkennen, was ich bisher übersehen habe.